Von den sieben Todsünden des Unternehmers und viel Liebe für die St. Pöltner Gründerszene

Tiefgründig, ehrlich, inspirierend. So lässt sich die neunte Ausgabe von Founders Talks zusammenfassen. Die beiden Keynote-Speaker Wolfgang Hager (Bäckerei Hager) und Marcus Ihlenfeld (woom, Poptop) nahmen die Gäste in der Aula des Sparkassenhauses St. Pölten mit auf eine ungeschminkte Reise durch ihre Gründergeschichten – und sparten dabei auch schwierige Phasen nicht aus. „Unglaublich spannend, und man kann einiges mitnehmen, vor allem ganz viel Motivation", brachte es eine Besucherin auf den Punkt.

17. April 2026

Wolfgang Hager führt die Bäckerei Hager in vierter Generation. In seinem Impulsvortrag zeichnete er die „sieben Todsünden" im Unternehmertum nach – angelehnt an ein mittelalterliches Sittenbild, übersetzt „auf Bäckerdeutsch". Besonders berührend war sein offener Blick auf die eigene Krise: Fehlentscheidungen bei Standorteröffnungen, die Energiekrise und eine Phase, in der er mental am Boden war. „Da sehe ich einen Wolfi, der fertig ist", sagte Hager über Videos aus dieser Zeit. Seine Familie habe ihn aufgefangen, der Sport ihm neue Energie gegeben. Seine Botschaft an das Publikum: Ordnung schafft Qualität, Qualität schafft Ertrag – und ohne Tun passiert nichts. „Eine Leidenschaft ist das Einzige, was notwendig ist, um Erfolg zu haben.“

Einen ganz anderen Weg ging Marcus Ihlenfeld. Als Sohn eines Schlossers und einer Verkäuferin in Rüsselsheim geboren, machte er klassisch Karriere bei Opel – bis zum Marketingdirektor in Wien. Doch mit Anfang 40 wagte er den Absprung. Gemeinsam mit dem Industriedesigner Christian Bezdeka begann er abends nach dem Job in einer Garage in Wien Kinderfahrräder zusammenzuschrauben. Aus der Garage wurde woom, heute einer der größten Kinderfahrrad- Hersteller der Welt. Der Weg dorthin war alles andere als geradlinig. Weil Banken und Investoren anfangs abwinkten, finanzierte Ihlenfeld sein Unternehmen über Jahre mit privaten Nachrangkrediten von Freunden, Familie und zufriedenen Kunden. „Du musst dein Ego an der Tür ablassen", erzählte er schmunzelnd. Inzwischen hat Ihlenfeld mit seinem Partner die Kindermöbelmarke Poptop sowie die Gründerberatung „soundslikeaplan" auf den Weg gebracht – und plant in den kommenden zehn Jahren zehn weitere Unternehmensgründungen.

In der Talk-Runde wurde einmal mehr deutlich, warum Founders Talks seine Fans hat: ehrliche Antworten, keine Marketingphrasen, Austausch auf Augenhöhe. Auf die Frage nach dem Rezept gegen schlaflose Nächte verwies Ihlenfeld auf den Wert des Gründens zu zweit: „Alleine hätten wir das nicht geschafft."

Hager wiederum betonte die Kraft kleiner Erfolge und direkter Kundenrückmeldungen als Gegengewicht zum täglichen Problemdruck. Und auf die Abschlussfrage, was ihn heute wirklich glücklich mache, antwortete Hager sichtlich bewegt: „Ein ehrliches Schulterklopfen von Menschen, die mir nahestehen."

Besonders beeindruckt zeigte sich Marcus Ihlenfeld von der St. Pöltner Gründerszene: „Ich habe überhaupt nicht erwartet, dass hier in St. Pölten so eine Struktur und so viel Liebe hinter dem Thema Start-up steht." Vor allem die Entrepreneurship-Education-Initiativen, bei denen bereits Schulkinder eigene Produkte entwickeln und verkaufen, hätten ihn positiv überrascht. Über diese Initiativen – vom „Jedes Kind stärken"-Fest über den Business-Plan-Wettbewerb an der HAK St. Pölten bis zum Changemaker-Markttag am Domplatz – informierten Founders-Kollege Christian Tomitsch und Philip Simson von der Stadt St. Pölten das Publikum.

Auch Wolfgang Hager zeigte sich angetan: „Das Publikum hat mitgemacht, die Stimmung war gut. Man hat diese Good Vibes vom gesamten Founders-Team gespürt.“

Mit viel Inspiration im Gepäck geht Founders Talks nun in die nächste Runde. Die zehnte Ausgabe findet am 3. September statt und widmet sich der Verstromung der Welt sowie der Rolle, die St. Pöltner Gründer dabei spielen. Auf der Bühne: Josef Wildburger und Andreas Kos.